Andreas Hansen von James and the Cook in Kiel im Interview

Eigentlich wollte Andreas Hansen 3D-Spiele programmieren, weswegen er nach der Schule vorerst den Weg eines Informatik-Studiums einschlug. Ihm wurde jedoch schnell klar, dass ihm das auf Dauer zu trocken sein könnte und dass er eigentlich viel lieber für andere Menschen kochen möchte. Also brach er sein Studium ab, absolvierte stattdessen eine klassische Kochausbildung und eröffnete nach vielen Jahren, in denen er in verschiedenen Ländern auf drei Kontinenten gekocht hat, schließlich mit James and the Cook sein eigenes Restaurant in Kiel.


Andreas nimmt in diesem Jahr in doppelter Hinsicht an der Kulinarischen Schnitzeljagd teil: Zum einen mit seinem Laden, zum anderen auch als Organisator. Denn ohne ihn würde die Schnitzeljagd am 3. Juli in Kiel gar nicht stattfinden.  


In welchen Ländern hast du schon für einen längeren Zeitraum gekocht? In Namibia habe ich fünf Jahre gearbeitet und hatte auch eine Freundin dort, weswegen ich dort länger geblieben bin. In Chile war ich ein halbes Jahr. 


In welchen Restaurants hast du in Namibia und in Chile gearbeitet? Also in Namibia waren es mehrere: Einmal ein ganz klassisches Hotel in der Hauptstadt, dann ein Landhotel und nachher noch auf einer Gästefarm, wo die Touristen angereist kamen, ausgestiegen sind, abends von mir ein BBQ bekommen haben und am nächsten Tag weitergereist sind. Dann habe ich aufgeräumt und wenn keine Gäste da waren, habe ich nichts getan und im Pool gebadet. In Chile war das ein einfacheres Restaurant. Der Inhaber war gebürtig aus Deutschland und wollte chilenische Hausmannskost verkaufen. Da bin ich dann nur durch Zufall gelandet, weil er in der Zeitung gelesen hatte, dass ich was suche und dann hat er mich angeschrieben und deswegen ging das sehr schnell. 


Wann war dir klar, dass du ein eigenes Restaurant eröffnen möchtest? Das Gehen und immer wieder neu anfangen, ist ganz schön anstrengend. Du brauchst einen Personalausweis, eine Arbeitsgenehmigung, musst dir einen neuen Freundeskreis aufbauen und lässt dann alles wieder zurück. Dieser Schritt war ganz schön anstrengend und hart. Das habe ich erlebt, als ich Namibia verlassen habe, als ich aus Chile wieder zurück gekommen bin und dann habe ich mir gesagt, dass ich mich doch lieber selbstständig mache. Ich habe so schöne Orte auf der Welt gesehen: Zum Beispiel habe ich überlegt, im Dschungel in Südamerika was zu machen. Oder in Südafrika dachte ich auch, dass das schon traumhaft ist, aber irgendwie war mir das immer zu unsicher. In Südamerika hatte ich Angst, dass die Politik sagt, dass alle raus müssen und in Südafrika hat man nur für ein Jahr eine Arbeitsgenehmigung bekommen, da habe ich mich nur so halbwillkommen gefühlt und dann dachte ich, dass ich mich dann lieber in Deutschland selbstständig mache. Und dadurch, dass ich dann erstmal nach Hause gekommen bin und Freunde in Kiel getroffen habe, bin ich dann dort gelandet. Das hätte aber genauso gut anders kommen können. 


Das Konzept für dein Restaurant James and the Cook wurde ja durch deine Reisen beeinflusst. Würdest du sagen, dass das auch das ist, was es letztendlich auszeichnet? Das Restaurant hat sich aus diesem Konzept heraus ergeben. Ich habe überlegt, was ich wie machen könnte. Ich wollte nicht die x-te Pizzeria haben, das wäre langweilig. Deshalb habe ich überlegt, was es noch nicht gibt oder was die Leute interessieren könnte und dann habe ich gesehen, dass ich mit ausländischen Rezepten neue Kunden erreichen könnte. 


Ihr bietet unter anderem Fleisch wie Krokodil oder Heuschrecken an. Wie wird das von den Gästen angenommen? Ist das eher etwas, das einmal probiert wird, um dann sein Leben lang sagen zu können, man hätte schonmal Krokodilfleisch gegessen, oder gibt es tatsächlich Gäste, die extra für diese Gerichte immer wieder zu euch kommen? Beides. Ich habe Stammgäste, die immer wieder zu uns kommen. Allerdings kommen die nicht unbedingt wegen des Krokodils oder des ganz Exotischen, sondern die kommen, weil wir anders kochen. Wir kochen beispielsweise sehr viel mit Gewürzen. Es schmeckt mal arabisch, mal indisch und so weiter. Wir entfliehen dem normalen Einheitsbrei. Wenn du öfter Essen gehst, hast du immer die Wahl zwischen lecker italienisch oder lecker griechisch und es ist immer lecker aber es ist eben so, dass es bei uns noch was anderes gibt. Und das Krokodil essen viele, um es zu probieren und um festzustellen, dass es letztendlich etwas langweilig ist, weil es wie gewürztes Hähnchen ist – man verpasst nichts. Die Heuschrecken sind wirklich so ein kleiner Kick, dass die Leute mal Heuschrecken knabbern möchten. Zu uns kommen die Leute auch, um sich auf ihren Urlaub vorzubereiten, und zu gucken, wie das schmeckt. Also wenn sie beispielsweise nach Thailand fliegen, dann besuchen sie uns vorher, weil sie bei uns schon vorher Heuschrecken essen können und wissen, wie das dann ungefähr zugeht. Oder andersherum, dass sie beispielsweise schon in Südafrika waren und dann lesen sie bei uns auf der Karte ein südafrikanisches Gericht und denken sich, dass sie das mal wieder schmecken möchten. Bobotie ist ein typisches Gericht für Südafrika, dabei ist das von den Zutaten her eigentlich nichts anderes, als das, was man auch hier bekommt. Da kommt Hackfleisch rein und indische Gewürze, das könnte man eigentlich selber kochen. Aber das ist Urlaubsfeeling und das ist der Grund, warum wir so viele Gäste haben. 

Andreas HansenCopyright: Andreas Hansen 

Neben eurem Tagesgeschäft lasst ihr euch ziemlich coole Aktionen einfallen, zum Beispiel bietet ihr Rum-Tastings oder Feuerzangenbowle an. Wie kam es dazu? Das kam durch Reisen wie beispielsweise auf die Seychellen, da lernt man natürlich Rum kennen und stellt fest, dass der pur auch lecker schmecken kann. Es gibt ja Whisky-Tastings, die mag ich aber eigentlich nicht so und deswegen ergab sich dann für mich die Sache mit dem Rum. Ich habe gesehen, dass es da Unterschiede gibt und dann habe ich mit einer Rumhandlung mal ein Tasting gemacht, bei dem mir dann alles erklärt wurde und so ergab sich das. Aber das ist ja nur ein Teil unseres Angebotes, um noch mehr anzubieten. Wir arbeiten viel in die Richtung, dass wir nicht nur einzelne Gäste gewinnen wollen, sondern zusätzlich ganze Veranstaltungen austragen möchten. Wir sind ein kleiner Laden und wenn jemand eine Weihnachtsfeier bei uns mit 20 Leuten bucht, dann ist unser Laden voll und genau da wollen wir hin. Man kann das besser kalkulieren, hat ein angenehmeres Arbeiten, die Leute haben keinen Druck, weil das ja eine Feier ist. Und solche Gruppen bekommt man leichter angelockt, wenn man verschiedene Sachen anbieten kann. Das Rum-Tasting findet gar nicht oft statt, aber dadurch, dass wir es anbieten, sprechen wir mehr Leute an. 


Genau wie durch den Casino-Abend, den man bei euch buchen kann, vermutlich? Genau, der wird öfter genommen, weil das ein Kompromiss für Weihnachtsfeiern ist, dass die Leute zwar etwas tun, aber nichts Anspruchsvolles. Kegeln ist vielen zu altbacken oder sie haben keine Lust, sich zu bewegen und ein Kochkurs ist vielen schon wieder viel zu anstrengend oder viel zu innovativ. Roulette ist total cool. Manche Leute spielen dann wirklich, andere sitzen lieber da und trinken, das wird tatsächlich öfter gebucht. 


Bietet ihr jetzt während der Lockdowns Takeaway oder ähnliches an? Nein, überhaupt nicht. Erstens wäre das eine Null-Null-Rechnung oder eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und der zweite Grund ist, dass unser Essen nicht geeignet ist für Takeaway. Das muss schön angerichtet und warm sein, es muss teilweise auch erklärt werden. Wenn du beispielsweise Bobotie bestellst und das Zuhause isst, dann denkst du dir „Was ist denn das für ein Hackfleischbrei?“ Wenn du das aber von uns serviert bekommst und dann erzähle ich noch was zu Südafrika, dann ist es etwas anderes. Wir verkaufen also nicht nur Essen, sondern auch Ambiente und Stimmung und das geht nicht in die Tüte.


Ist eure Einrichtung von deinen ganzen Reisen inspiriert? Ja, absolut. Wir haben zum Beispiel drei leere Bilderrahmen und im einen hängt ein Piranha, in einem hängt ein Antilopengeweih und in dem anderen eine Kakaobohne. Ansonsten liegen auf den Tischen meine Mitbringsel herum. Von Kuba habe ich Holzautos mitgebracht, aus Südafrika Holzschnitzereien. Die Leute stellen Fragen und auch das ist Teil ihres Erlebnisses. Die Hauptsache ist, dass die Gäste sich wohlfühlen.


Was schätzt du an der Kieler-Gastronomielandschaft? Als Kunde würde ich schätzen, dass es total viele Läden gibt. Also eigentlich viel zu viele. Es macht immer wieder jemand auf, dann rennen da alle hin und die, die sich nicht so gut halten können, schließen dann auch wieder. Das Angebot ist eigentlich zu hoch und jeder versucht, etwas noch Tolleres zu machen, die Kunden können das nutznießen, aber es ist eigentlich anstrengend. Ich bin glücklich, dass ich meine Nische gefunden habe, ansonsten ist es ziemlich viel hire and fire. Ich persönlich bin niemand, der Sterneküchen hinterherguckt. Ich kenne das natürlich, aber es gibt andere Köche, die das mehr leben. Die würden jetzt Zuhause sitzen und wären total gefrustet.


Wie kam es dazu, dass du Scout für die Kulinarische Schnitzeljagd wurdest? Ich habe ja das Lokal, was für mich eher ein Hobby ist, das Geld verdiene ich mit dem Catering. Ich gucke immer wieder, was ich noch so alles machen kann, wie ich Kunden an das Lokal binden kann und da habe ich überlegt, ob ich nicht Radtouren anbieten könnte? Deswegen habe ich für mich erstmal geguckt, was es in diese Richtung schon gibt, was andere machen. Da kam ich dann auf die Idee mit kulinarischen Radtouren und mit diesem Gedanken habe ich das Internet durchforstet und gesehen, dass es das schon gibt. Ich habe ja nur die Möglichkeit, etwas selbstständig zu entwickeln oder, wenn es das schon gibt, das dann für Kiel zu machen. 


Was gefällt dir an deiner Arbeit als Scout? Es bringt erstmal Spaß. Ich bin eigentlich kein Vertretertyp, der irgendwo rein geht und einen Kunden wirbt. Ich muss auf jeden Fall hinter dem Produkt stehen. Deswegen bin ich so gespannt auf die Radtour und auf das Ergebnis. Wenn das toll ist, dann mache ich das gerne wieder, ich habe ja auch im Hinterkopf, das noch für Lübeck zu machen. 


Worauf freust du dich am Eventtag am meisten? Darauf, die Läden abzufahren und die Bestätigung zu bekommen, dass denen das gefallen hat und sie das, was sie sich dadurch erhofft haben, auch bekommen haben. Ich fahre die Stationen an dem Tag ja selbst ab, da mein Laden auch ohne mich gut läuft. Meine Kollegin kennt sich schon bestens aus und ist happy damit. 


Was gefällt dir am Konzept der Kulinarischen Schnitzeljagd? Mir gefällt, dass die Leute ein bisschen zum Fahrradfahren genötigt werden. Wobei mir schon der Zahn gezogen wurde, dass wirklich alle mit dem Fahrrad fahren. Ich finde es gut, dass die Leute unterwegs sind, sich mit Restaurants beschäftigen und es ist ein familientaugliches Konzept, das finde ich ebenfalls ganz wichtig.   

Die Kulinarische Schnitzeljagd ist eine Genusstour, bei der die Teilnehmer ihre Stadt neu erschmecken, allein oder mit Freunden, auf dem Rad oder anders.