Stefania Lettini vom italienischen Feinkostladen Lettinis in Düsseldorf im Interview

Lettinis ist die Anlaufstelle, wenn einem der Großstadtjungle der Landeshauptstadt zu viel wird und das nötige Kleingeld für einen Wochenendtrip nach Italien fehlt! Versteckt in einem charmanten Hinterhof inmitten der Düsseldorfer Innenstadt verbirgt sich das Feinkostjuwel: Seit 16 Jahren bietet Stefania Lettini in einem ehemaligen Industriegebäude italienische Delikatessen, Weine und Spirituosen an.


Die gebürtige Halbitalienerin liebt was sie tut und das sieht man dem liebevoll eingerichteten Laden samt seiner erlesenen Produkte auch an. Dank ihrer regelmäßigen Fernsehauftritte bei Volle Kanne im ZDF und der stetig wachsenden Bekanntheit ihrer Onlineformate Tasting A Casa und Cooking A Casa ist Stefania inzwischen deutschlandweit bekannt.

Als teilnehmender Laden bei der Kulinarischen Schnitzeljagd feiert sie dieses Jahr ihr 3-Jähriges. Grund genug für uns, mal einen verbalen Blick hinter die Kulissen zu werfen!


Was hast du ursprünglich gelernt oder studiert? Ich habe ganz klassisch BWL an der Heinrich- Heine-Universität in Düsseldorf studiert und dann bin ich aber meinem Herzen gefolgt und musste unbedingt meine Vision von einem Italienzentrum umsetzen. Ich habe dann in der Jahnstraße dieses kleine wunderschöne Hinterhofloft entdeckt und mich in den Dornröschenschlaf dieses alten charmanten Industriegebäudes verguckt. Und dann habe ich einfach den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und vor inzwischen 16 Jahren Lettinis eröffnet.


Warum ist es dir so wichtig, italienische Produkte in Deutschland unter die Leute zu bringen? Das ist natürlich einmal bedingt durch meine Wurzeln: Ich bin Halbitalienerin, in Rom geboren und mein Papa kommt aus dem wunderschönen Absatz Italiens, Apulien. Mir ist immer schon aufgefallen, dass es hier zwar Feinkost gibt, aber mir fehlte immer das Authentische daran. Die Produkte von kleinen Produzenten, die ich mir immer aus Italien aus allen möglichen Urlauben mitgebracht habe, die habe ich hier nicht gefunden. So war es immer ein Herzenswunsch von mir, diese tollen Sachen zu importieren, Weine und Delikatessen, aber natürlich auch die Geschichte dahinter zu erzählen. Warum ich diese Produkte so toll finde und warum es so toll ist, genau diese Sachen auch zu genießen. 


Welche kommunikativen Wege benutzt du, um die Geschichte dazu zu erzählen? Wir versuchen das über unsere Rezeptpostkarten rüberzubringen, wo auch draufsteht, wie man die tollen Sachen dann auch zubereitet. Außerdem haben wir auf dem Packaging immer so kleine feine Details eingearbeitet, wo der Hersteller herkommt, beziehungsweise auch noch ein paar kurze knackige Informationen zu ihm. Wir versuchen über unsere Social Media Kanäle viel Hintergrund Bild- und Videomaterial zu teilen und Geschichten zu erzählen. Wir haben einen großen Newsletter, den unsere Kunden auch – so die Rückmeldung – immer bewusst lesen, was ich sehr genieße. Den gibt es zwar nicht so häufig, aber dafür enthält er auch wirklich immer sehr viel Inhalt. Wir versuchen also alle uns zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, um die Leidenschaft zu transportieren, warum wir diese Produkte ausgesucht haben. Ich freue mich auch auf unsere neue Internetseite, die spätestens im 2. Halbjahr online gehen wird und auf der wir noch viel mehr über die Hintergründe der Produkte erzählen können, damit wir auch über den Onlineshop noch mehr transportieren können.


Wo lernst du deine Produzenten kennen? Der Klassiker ist, wenn ich in Italien unterwegs bin. In der Regel bin ich etwa ein Mal im Monat in Italien und dann plane ich immer ein, etwas mehr Zeit mitzubringen. Denn der eine Produzent kennt immer den anderen und es kennt immer irgendjemand irgendetwas Tolles, Neues. Und dann muss man auch einfach die Muße, die Zeit und die offenen Augen und das offene Herz mitbringen, um sich dann auch auf solche Genusssafaris einzulassen. Also dieses Mund zu Mund unter Genusshelden per se ist eine meiner Lieblingsentdeckungsmöglichkeiten. Dann gibt es natürlich auch noch die ganzen Feinkostmessen in Italien, die enorm vielschichtig und fokussiert sind, das fehlt mir hier in Deutschland ehrlich gesagt ein bisschen. Und dann werden uns auch von der Handelskammer, die weiß, was wir hier für die italienische Esskultur leisten, auch immer wieder neue Produzenten vorgeschlagen.


Welche Eigenschaften sollte ein Produkt erfüllen, um in dein Sortiment aufgenommen zu werden? Es muss eigentlich nur lecker schmecken (lacht herzhaft). Das ist das Allerallerwichtigste! Es gibt ja kein Produkt in unserem Laden, das ich nicht mag. Und natürlich kommen wir dann auch zu technischen Dingen wie Haltbarkeit. Das ist eigentlich das größte Ausschlusskriterium. Wenn ein Produkt weniger als zwei Monate haltbar ist, wird es schwierig für uns das zu importieren.


Manche Produkte bekommen ein eigenes Packaging in eurem Stil von euch verpasst und bei anderen bleibt es in seiner Originalverpackung – wie kommt das? Grundsätzlich ist es so, dass alle unsere Produkte an unserem stationären Standort in der Jahnstraße bei euch Kunden getestet werden. Ich finde die Produkte super, dann importiere ich sie und dann gucke ich, ob ihr die kauft. Im Idealfall bekommen wir dann bei den Probiersamstagen ein direktes Feedback, ob die Produkte schmecken oder auch nicht. Wenn wir diese Hürde überwunden haben, kommt das Produkt ins Sortiment und dann gucken wir erstmal ob es grundsätzlich gekauft wird und vor allem, ob es auch wieder gekauft wird. Wenn es wieder gekauft wird, setze ich mich mit den Produzenten hin und dann besprechen wir, ob wir das über die Lettinis-Marke auch über andere Feinkosthändler vertreiben wollen. Denn nur dann macht es für uns Sinn, den gesamten Marketingaufwand zu betreiben. Wenn diese ganzen Fragen vorher mit „ja“ beantwortet wurden, nehmen wir das Produkt in unseren Vertrieb auf. Wobei es natürlich auch total wichtig ist, dass der Produzent dahinter nicht versteckt wird. Wir sind ja sehr transparent und wollen auch, dass jeder weiß, wer es macht und warum und wieso. Wir sind schließlich stolz darauf, dass wir dieses Co-Branding machen dürfen, das ist uns total wichtig.


Gibt es auch Produkte, die ihr selbst in kleiner Marge produziert? Irgendwelche Familienrezepte vielleicht? Das haben wir ganz am Anfang gemacht, als ich Lettinis gegründet habe. Da war ich in einer Produktionsküche von einem ganz lieben Freund von mir in Hilden. Aber davon sind wir jetzt abgekommen. Wir geben unsere Rezepte an Unternehmer und die machen das dann für uns. Also Beispielsweise unsere Saucen, die werden ausschließlich nach unseren Rezepten hergestellt.

Stefania LettiniCopyright: Stefania Lettini

 Beim ersten Lockdown im letzten Jahr ist deine Online-Tasting-Reihe Tasting A Casa entstanden und war – soweit ich das mitbekommen habe – eines der ersten Konzepte seiner Art. Wie bist du auf die Idee dazu gekommen? Ich bin ganz ehrlich gar nicht so direkt selbst auf die Idee gekommen. Das war eine liebe Kundin von mir, die mich am 24. März angerufen hat und gefragt hat, ob ich für ihr Team ein kleines Online-Tasting machen könne. Wir waren da dann 15 Leute und dann habe mich in den Weinprobenraum gesetzt, mit dem Handy vor der Nase und das auf Weinkisten stabilisiert – da hatte ich noch gar kein Stativ – und da haben wir dann gestreamed. Ich hatte bei dem kleinen Tasting so viel Freude daran, endlich mal wieder die ganzen tollen Sachen zu erzählen und habe auch sehr positives Feedback dazu bekommen. Und dann habe ich direkt eine Woche später, am 3.4. unser erstes offizielles Online-Tasting veranstaltet. Da hatten wir dann auch eine richtige Webcam. Und ich muss dazu sagen, dass ich so gesegnet bin und ich werde auch gar nicht müde, meine Techniker zu loben, die mich da immer wieder so unterstützt haben und da auch die treibende Kraft waren, immer wieder in neue Technik wie beispielsweise Licht zu reinvestieren. Wir haben gesehen, dass ihr das gut findet und wir hatten auch Spaß, etwas Neues zu machen. Das hat eine Eigendynamik entwickelt, die wieder einmal zeigt, dass man nur erfolgreich sein kann, wenn man Dinge auch tut – egal, ob man Fehler macht oder nicht. Und so entstand aus dem Tasting dann auch die Idee, einen meiner Herzensträume zu realisieren, nämlich eine Showküche da reinzubauen. Deswegen gibt es seit Oktober auch das Live-Cooking Format Cooking A Casa.


Apropos live kochen: Du bist ja auch immer mal wieder bei der Sendung Volle Kanne im ZDF zu sehen. Wie kam es dazu, dass du dort kochen darfst? Eine liebe Kundin von mir arbeitet dort und hat mich bei einer Weinprobe mal gefragt, ob ich nicht grundsätzlich Lust hätte, mal ins Studio zu kommen, um etwas live zu kochen?  Über das Angebot und die Möglichkeit habe ich mich sehr gefreut. Da ja alles live ausgestrahlt wird ist jede Sendung für mich immer wieder eine echte Herausforderung, die mir unglaublich viel Spaß macht. 

Man muss wirklich sehr gut vorbereitet sein, damit diese 8 Minuten auch für den Zuschauer interessant werden. Man möchte, dass die Zuschauer viel mitnehmen und will dabei trotzdem auch eloquent reden und das Rezept entsprechend vorstellen. 


Wie bereitest du dich mental darauf vor, live vor einem – ich schätze mal Millionenpublikum – zu kochen? Vor allem macht es mir unglaublichen Spaß dort meine Leidenschaft vor so vielen Zuschauern teilen zu dürfen. Ich stelle mir vor, dass sich die treuen Volle Kanne-Zuschauer freuen, wenn ich ab und an morgens ca. 8 Minuten italienische Dolce Vita in die Wohnzimmer und Küchen zaubern kann, indem ich etwas über Italien, meine Heimat und meine Lieblingsrezepte erzählen darf (lacht). Manchmal stelle ich mir auch vor, dass ich ein Online-Tasting mit euch mache. Man muss aber auch dazu sagen, dass das gesamte Volle Kanne-Team so nett ist, dass man sich wirklich wie in einer kleinen Familie fühlt, wenn man dort ist. Alle sind so herzlich und das Studio und die Atmosphäre ist sehr familiär. So vergisst man manchmal glatt, dass man gerade im ZDF in so einem erfolgreichen Format ist. 


Nach welchen Kriterien wählst du die Rezepte aus, die du bei Cooking A Casa oder im Fernsehen kochst? Ich bin ein großer Fan von „weniger ist mehr“. Weniger Zutatenlisten und mehr Geschmack. Und es muss einfach sein. Ich mag gerne Rezepte, die jeder gut Zuhause nachkochen kann.


Was gefällt dir an dem Konzept der Kulinarischen Schnitzeljagd? Dass man auf einen Schlag so viele tolle neue Menschen kennenlernt, das ist Wahnsinn! Dass so viele Genießer auf einen Schlag durch den Laden rauschen. Viele kennen uns auch noch gar nicht, das ist immer wieder erstaunlich. Und auch die Atmosphäre, wenn man zusammenkommt und Sachen entdeckt und probiert, das finde ich gut!


Eure Freude daran merkt man euch aber auch an: Ihr habt euch die letzten beiden Jahre wirklich ordentlich ins Zeug gelegt und den Schnitzeljägern viel geboten! Ich bin leider auch kein Fan von halben Dingen. Manchmal ist das ein bisschen anstrengend, vielleicht auch für die anderen. Aber ich mache die Dinge lieber – perfekt mag ich eigentlich nicht sagen – aber ich mag mich gerne selber jedes Mal überraschen und deswegen gehe ich manchmal auch über meine Grenzen hinaus. Wir wollen einfach alles geben und dann muss man auch jedes Mal ein Stückchen mehr geben, um weiter zu kommen. Das ist mein Credo.


Worauf freust du dich am Eventtag am meisten? Ich freue mich einfach auf die strahlenden Gesichter, wenn die Teilnehmer bei uns in den Innenhof reinfahren und den Platz für ihr Fahrrad finden – das ist bei uns natürlich auch eine Luxussitutation. Und ich freue mich auf die leuchtenden Augen, die signalisieren, dass sie wirklich etwas in einem Innenhof entdeckt haben, das sie sonst sicherlich nicht gefunden hätten. Und auf die tollen Gespräche, die daraus dann resultieren. Da wissen wir dann, dass wir alles richtig gemacht haben. 



Die Kulinarische Schnitzeljagd ist eine Genusstour, bei der die Teilnehmer ihre Stadt neu erschmecken, allein oder mit Freunden, auf dem Rad oder anders.