Katharina Hallepape von Omi backt! in Bochum im Interview

Katharina Hallepape ist Gastrokind und seit Juli die neue Inhaberin von Omi backt! In den vergangenen Monaten hat sie jede freie Sekunde in dem Bochumer Café verbracht, um es nach und nach zu ihrem ganz eigenen Wohnzimmer zu machen, in dem ihre Gäste echte Kuchen von echten Omis essen. Die stehen bei diesem Konzept nämlich in der Küche und backen ihre Lieblingskuchen für fremde „Enkel“. Und das Beste daran: Die Omis sind so aufgeschlossen, dass es hier viele altbewährte Klassiker auch vegan oder auch glutenfrei gibt – ganz im Sinne des aktuellen Zeitgeistes also.

Im Telefoninterview verriet uns Katharina wie es dazu kam, dass sie das Café samt dessen Konzept übernommen hat, wie es ist, mit Menschen zusammen zu arbeiten, die die eigene Oma sein könnten und wie ihr Verhältnis zu ihrer echten Omi aussieht.

Bitte erzähl uns erstmal etwas über dich: Wer bist du? Wie sieht dein beruflicher Werdegang aus?

Nahezu mein gesamtes berufliches Leben spielte sich in der Gastronomie ab – zuletzt war ich einige Jahre Betriebsleitung in einer kleinen Burgerkette. Gastronomie bedeutet aber leider auch meistens Arbeiten in den Abend- und Nachtstunden, da bleibt das „normale“ Leben leider etwas auf der Strecke. Zudem war es immer ein Traum von mir, mein eigener Chef im eigenen Laden zu sein. Da war es am Ende des Tages auch ein glücklicher Zufall, dass sich die Möglichkeit auftat, das Café „Omi backt!“ zu übernehmen. Ich kannte die beiden Gründer schon vorher und als sie mit dem Gedanken spielten, das Café aufzugeben, wurde der Traum vom eigenen Laden langsam konkreter.

Könntest du uns ein bisschen zur Entstehungsgeschichte von Omi backt erzählen? Die Grundidee ist eigentlich ziemlich simpel. Wahrscheinlich erinnert sich fast jeder gern zurück an den selbstgemachten Kuchen der eigenen Oma – ganz ohne „Schischi“ und eben auch anders als das, was man so in der Konditorei oder beim Bäcker kaufen kann. Was liegt da also näher als echten Omis mit Freude am Backen die Möglichkeit zu geben, ihrem Hobby nachzugehen und damit Menschen glücklich zu machen? Also haben sich die beiden Gründer auf die Suche nach Omis gemacht, die gerne ihre alten Lieblingsrezepte bei uns in der Backstube zubereiten möchten. Damit war das Café-Konzept geboren.

Wie gehen klassische Kuchen, die oft mit viel Butter und Eiern zubereitet werden, und vegane Backwaren denn Hand in Hand? Und wie haben die Omis auf die Veganisierung der Kuchen reagiert?

Unsere Omis sind durch die Bank ziemlich experimentierfreudig und haben dementsprechend ihre anfängliche Skepsis gegenüber den „neumodischen“ Variationen abgelegt. Also wurde einfach drauf los probiert und die Rezepte in die eine oder andere Richtung angepasst. Generell wird ohnehin nicht immer strikt nach Rezept gebacken. Dabei fließt natürlich auch das Feedback unserer Gäste mit ein: Fehlt da irgendwas? Ist der Kuchen fluffig genug oder muss der saftiger sein? Die neuen veganen Kuchen sind meist Abwandlungen von Klassikern. Natürlich schmecken die Kuchen – vor allem wenn sie glutenfrei gebacken wurden – unter Umständen ein bisschen anders als gewohnt, aber die Hauptsache ist doch, dass es den Gästen schmeckt. Inzwischen haben wir schon einige Klassiker in verganer und glutenfreier Variante produziert und entwickeln fleißig weitere Kreationen. Das Feedback und die Nachfrage zeigen jedenfalls, dass wir nicht auf dem völlig falschen Weg zu sein scheinen.

Gibt es Dauerbrenner bei den Kuchen?  Was immer geht, ist Frucht mit Streuseln. Egal welche Frucht sich darin versteckt, die Kuchen sind teilweise innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Da kann selbst die imposanteste Sahnetorte nicht mithalten.

Ich denke mal, weil die Leute, die zu euch gehen, ja auch wirklich wegen des Konzeptes zu euch kommen. Da ist ein Streuselkuchen dann klassischer als eine Sahnetorte, die an einen Konditor erinnert.  Ganz genau, das ist der Punkt. Natürlich gehen auch die Sahnetorten, dann aber gern am Wochenende, wenn man weniger Stress hat und sich vielleicht auch noch den zweiten Kaffee gönnen kann.

Bringt jede Omi ihre eigenen Rezepte mit und backt nur ihre eigenen Kuchen oder backen die Omis auch Rezepte anderer Omis oder auch ganz neue Rezepte? Da haben sie fast völlig freie Hand. Natürlich schauen wir, dass wir unseren Kunden unterschiedliche Kuchenarten anbieten können, davon abgesehen entscheiden die Omis aber selbst, welche Kuchen sie backen möchten. Dann packen die Omis ihre Rezeptbüchlein aus und legen los. Stellenweise sind das gut gehütete Rezepte, die dann auch nur ich zu sehen bekomme, damit ich weiß was da drin ist und sicher sein kann, dass wir niemanden vergiften (lacht). Für die Omis gehört das Experimentieren einfach dazu. Backen ist für sie eine Leidenschaft und im Café können sie Sachen ausprobieren – ohne Gefahr zu laufen, ihre Männer zu überfüttern.

Wo findet ihr die Omis, die für euch backen? Ein Großteil der Omis backt schon länger hier im Café. Die ersten Omis wurden tatsächlich über eine Anzeige in der Zeitung gefunden, inzwischen kommen aber auch immer mal wieder ältere Damen vorbei, die über drei Ecken von uns erfahren haben und sich gerne anschließen würden. Mittlerweile haben wir eine schlagkräftige Truppe mit viel Spaß am Backen zusammen.

Wie hat man sich ein Vorstellungsgespräch mit einer Omi vorzustellen, die für euch backen will? Passenderweise meistens bei einem Kaffee und einem Stück Kuchen. Man plaudert dann ein wenig über Lieblingskuchen, Gott und die Welt. Dadurch, dass wir hier ein relativ kleines Team sind, muss vor allem auch die menschliche Seite stimmen. Wir sind zwar alle erst recht kurz zusammen, das Miteinander ist aber sehr familiär und freundschaftlich.

Backt jede Omi an einem festen Tag und hat dann auch ihre Stammgäste, die sich besonders auf die Kuchen „ihrer Lieblingsomi“ freuen? Das variiert ein bisschen, auch wenn sie zu großen Teilen feste Tage haben. Das haben viele Gäste auch schon raus. Ich habe gestern erst mit einer Dame gesprochen, die nur kommt, wenn Oma Marlies ihren berühmt-berüchtigten Banoffee Pie gebacken hat – Banane und Toffee – die möchte nichts anderes haben. Die hat Marlies jetzt drei Mal verpasst und für die backen wir gleich noch ihren Kuchen, von dem wir ihr dann morgen ein Stück zurücklegen, damit sie endlich ihren Banoffee Pie bekommt.

Welches Verhältnis hast, oder hattest du, zu deinen eigenen „echten Omis“? Auch ein sehr freundschaftliches. Je älter ich werde – oder je älter ich wurde – war, gefühlt, jedes Jahrzehnt anders. Früher war es das Phänomen Oma. Da durfte man Sachen, die man Zuhause nicht durfte. Dann war die Oma die Ansprechpartnerin für Dinge, über die man mit Mama nicht spricht. Und jetzt unterhält man sich über Erwachsenendinge, über die man sich vor zehn Jahren noch nicht unterhalten hat. Man spricht also auf Augenhöhe. Das ist hier im Café ähnlich. Die Kommunikation und der Umgang mit diesen Frauen, die meine Oma sein könnten, ist toll.

Wie sieht bei dir ein ganz normaler Arbeitstag aus? Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen Zugegebenermaßen bin ich immer noch dabei, mich an das frühe Aufstehen zu gewöhnen. Aktuell bin ich faktisch sieben Tage die Woche im Café, denn es gibt einfach neben der „regulären“ Arbeit noch jede Menge zu tun. Sowohl das Konzept als auch das Café und der Garten hinter dem Haus bieten noch jede Menge Gestaltungsfreiraum und Weiterentwicklungspotential – allein die Zeit dafür zu finden ist nicht immer einfach. Wenn ich hier abends das Licht ausmache, habe ich meistens nicht wirklich Feierabend, da ich dann Zuhause noch einiges erledigen muss. Ich mag dieses viele Arbeiten aber auch, schließlich baue ich mir hier so nach und nach mein eigenes kleines Wohnzimmer auf.

Was gefällt dir an dem Konzept der Kulinarischen Schnitzeljagd? Bei der letzten Kulinarischen Schnitzeljagd in Bochum hat Omi backt! ja auch schon mitgemacht.  Ich fand es interessant, dass viele Teilnehmer uns noch gar nicht kannten und so erst auf uns aufmerksam geworden sind – das ist toll! Es freut mich sehr, dass uns dadurch dann auch Leute, die vielleicht etwas weiter weg wohnen kennenlernen und den Weg zu uns finden. Ich finde das Konzept toll, das ist mal was anderes als eine Kneipennacht, wo man von Kneipe zu Kneipe spaziert.

Worauf freust du dich am Eventtag am meisten? Tatsächlich auf die Teilnehmer. Du hast da dann interessante Leute dabei, die sonst tatsächlich nicht herkommen würden. Die möchten wir natürlich davon zu überzeugen, dass es sich definitiv lohnt, nochmal vorbeizuschauen.

Interview: Jana Leckel

Fotos: Katharina Hallepape