Jenny Hallberg vom veganen Blog Vegdus im Interview

Jenny Hallberg ist durch und durch ein Digital Native. Und sie ist Veganerin. Ihre Mission: Mit positivem Beispiel vorangehen und respektvoll sowie nachhaltig aufklären, ohne andere zu belehren.

Die Düsseldorferin arbeitet vor allem im Social Media und Online Content Marketing Bereich. Nachdem sie das Handwerk dafür schon während ihres Studiums der Sprachwissenschaften erlernte, arbeitet sie inzwischen unter dem Namen Sustainable Stories nur noch für Firmen, die nachhaltig verantwortungsbewusst handeln.

Neben ihrer Teilzeitstelle bei der VeggieWorld und ihrer freiberuflichen Tätigkeit, betreibt sie den veganen Blog Vegdus und einen YouTube-Kanal. Außerdem hat sie für die Kulinarische Schnitzeljagd die erste rein vegane Tour durch Düsseldorf geplant.

Im Interview gestand sie uns, wie viel Disziplin es erfordert, all diesen Berufen und Berufungen nachzugehen, warum sie vegan lebt und worauf sie sich bei der veganen Kulinarischen Schnitzeljagd am meisten freut.

Du betreibst zusammen mit deinem Freund seit Mai 2019 den Blog Vegdus – Vegan in Düsseldorf. Wie kam es dazu? Wir wollten für uns eine Möglichkeit finden, den Veganismus auf eine subtile Art und Weise zu verbreiten. Der Blog richtet sich ja nicht nur an VeganerInnen, sondern auch an Omnivore, die einfach mal gucken wollen, in welchem Restaurant es überhaupt etwas zu essen gibt. Da ist es uns wichtig, dass wir vorstellen, welche veganen Optionen es in ganz normalen Restaurants gibt und nicht nur in veganen, weil man da im Zweifelsfall ja gar nicht erst hinkommt. Unsere persönliche Motivation wurde durch die Reaktionen auf meinem privaten Instagram-Account ausgelöst. Als die Leute mitbekommen haben, dass ich vegan bin und viel Essen gehe, wurde ich ständig nach Tipps gefragt und dann dachte ich, dass ich dafür einfach mal eine Plattform machen könnte. Ich hatte eh Lust, mal eine Website zu machen und so ist das langsam entstanden.

So eine Website mit dazugehörigem Instagram-Kanal nimmt aber bestimmt mehr Zeit und Raum ein, als man denken würde, oder? Du machst ja auch immer sehr professionelle Fotos. Ja, das könnte auch ein Vollzeitjob sein, das möchte ich gar nicht abstreiten. Ich sitze jedes Wochenende von morgens bis abends quasi an diesem Projekt. Das haben wir tatsächlich sehr unterschätzt. Wir bekommen auch so viele Nachrichten am Tag, dass ich da manchmal kaum noch durchblicke. Aber es macht auch immer noch Spaß, auch wenn da finanziell nicht viel dran kleben bleibt. Aber das ist auch gar nicht unsere Motivation dahinter. Wir sehen das wirklich eher idealistisch, dass wir damit der veganen Bewegung etwas Gutes tun können. Das ist unsere Form des Aktivismus. Wir sind keine Personen, die auf die Straße gehen und demonstrieren, das ist – vielleicht noch nicht – unser Weg, aber so subtil wie möglich aufzuklären und es zu einem coolen Thema zu machen ist eher das, was wir damit bezwecken wollen.

Seit wann lebst du vegan und warum? Ich lebe seit guten drei Jahren vegan, es war ein schleichender Prozess während des Studiums. Ich habe mich schon lange vegetarisch ernährt. Als ich von zuhause aus ausgezogen bin, haben mein Freund und ich etwa ein Mal pro Woche Fleisch gegessen und fanden das beide eigentlich unnötig. Irgendwann ist mir erst die Verbindung zwischen Milchprodukten und Tieren bewusst geworden. Wenn ich darüber heutzutage spreche, frage ich mich, wie mir das damals nicht bewusst sein konnte? Aber ich habe diese Connection einfach nicht gemacht und an dem Tag, an dem mir das bewusst wurde, habe ich sofort gesagt, dass ich das nicht mehr esse. Meine Hauptmotivation sind die Tiere.

Welcher Aspekt motiviert dich neben der Ethik am meisten? Die Nachhaltigkeit? Der Geschmack? Die gesundheitlichen Vorteile? Das Thema Gesundheit spielt bei mir auch eine große Rolle, das hat mich zu der Zeit auch schon beschäftigt. Ich bin aber auch durch die ganzen klassischen Fitnessprogramme lange im Glauben gewesen, dass man zumindest Eier bräuchte. Bei mir war es aber tatsächlich ethisch motiviert. Ich habe ein Video aus einer Mastanlage gesehen. Wer da noch keine Tränen in den Augen hat, ist für mich kein Mensch (lacht).

Düsseldorf gilt nicht gerade als alternativste Stadt. Welchen Einfluss hat das deiner Meinung nach auf die vegane Szene in der Landeshauptstadt? Wie einfach ist es, vegane Restaurants zu finden oder Lebensmittel für eine ausgewogene vegane Ernährung? Ich finde, dass das immer noch stark im Wandel ist. Wir haben letztes Jahr mit dem Blog angefangen und inzwischen gibt es schon erheblich mehr vegane Optionen. Selbst in Curry Wust Läden gibt es jetzt sowas wie vegane Bällchen. Ich glaube, dass es aber auch damit zusammenhängt, wie die Bewegung generell läuft. Das Problem, vegane Lebensmittel irgendwo erwerben zu können, sehe ich zum Beispiel gar nicht. Eigentlich gibt es das ja in jedem Supermarkt oder in den Drogerien. Ich finde es eher spannend, dass es noch nicht in jedem Restaurant und Café vegane Alternativen gibt, dann hat man noch die Möglichkeit, Aufklärungsarbeit zu leisten. Würden wir das Projekt jetzt zum Beispiel in Berlin machen, wäre das wahrscheinlich nicht so spannend. Man muss in Düsseldorf schon danach suchen. Viele, mit denen wir sprechen, wissen bereits, dass es ein wichtiges Thema ist und dass sie damit eventuell auch neue Kunden – aus Sicht der Gastronomen – gewinnen können. Aber die wissen nicht genau wie sie damit anfangen können. Sie denken immer, sie müssten alles ersetzen bevor sie etwas Neues machen.

Es gibt noch immer Menschen, die Veganern oder der veganen Ernährungsweise, mit Vorurteilen begegnen. Was erwiderst du diesen Menschen? Ich muss ehrlich sagen, dass ich solchen Menschen eigentlich nicht begegne. In Düsseldorf ist mir sowas auch noch nie untergekommen, dass Leute aggressiv sind. Vorurteilsbehaftet schon, aber ich persönlich denke mir immer, wenn ich denen jetzt etwas über schlechte Tierhaltung oder gesundheitliche Vorteile erzähle, dass ich damit nicht viel erreiche. Und ich habe auch schon, beispielsweise in der Agentur in der ich gearbeitet habe, gemerkt, dass wenn ich da mit einem positiven Beispiel vorausgehe, indem ich immer was Leckeres zum Essen dabeihabe, die Leute viel eher damit begeistere. Auch meine Großeltern waren am Anfang sehr besorgt, dass wir an Mangelernährung sterben werden und fanden das auch für sich selber etwas anstrengend. Aber als ich dann mal eine Woche für sie gekocht habe, waren sie beruhigt und fanden es toll und probieren jetzt selber vegane Gerichte aus. Ich glaube, mit diesem Positiv-Beispiel und nicht mit der Moralkeule, erreiche ich mehr.

Du scheinst viel zu arbeiten, aber auch viel zu kochen, viel Sport zu machen, hast Partner, Hund und Freunde – schläfst du auch irgendwann? Wie schaffst du das alles? Mit sehr viel Disziplin. Ich mache kaum Pausen. Es ist auch nicht so, dass ich das irgendjemandem so empfehlen würde. Ich arbeite schon viel unter Druck – gerade durch die Selbstständigkeit und den Teilzeitjob. Außerdem lege ich sehr viel Wert auf Sport und eine gesunde Ernährung. Ich habe eigentlich nie Wochenende, muss ich ehrlich sagen. Wobei der Blog und der YouTube-Kanal für mich eher Freizeit und Hobby sind und alles andere versuche ich unter der Woche zu schaffen. Aber meistens arbeite ich auch den ganzen Sonntag.

Ich finde es toll, dass du das so offen sagst und nicht runter spielst. Ja, es ist schon viel und ich muss gucken, dass ich da nicht zu viel mache. Aber ich glaube, da ich diesen perfektionistischen Anspruch habe und das alles auch aus moralischen Gründen mache und die Bewegung voranbringen möchte, bin ich da auch nicht traurig drüber, dass ich da so viel rein investiere. Ich setze mich so gut wie nie auf die Couch und gucke Netflix, ich habe nichtmals einen Fernseher. Ich mache sowas einfach nicht (lacht).

Wie sieht bei dir ein normaler Tag aus: Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen? Natürlich ist nicht jeder Tag gleich, manchmal habe ich ja auch morgens schon Termine. Aber meistens sieht ein Tag bei mir so aus, dass ich zwischen halb 6 und 6 Uhr aufstehe und dann erstmal entweder eine halbe Stunde Sport mache oder laufen gehe. Danach gehe ich nochmal eine halbe Stunde mit meinem Hund und dem ersten Kaffee raus. Anschließend gehe ich duschen und dann frühstücken wir gemeinsam in Ruhe. Das ist uns auch ganz wichtig, dass wir uns jeden Morgen eine halbe Stunde zusammen hinsetzen, über den Tag reden, was ansteht, was einen so beschäftigt. Danach fahre ich mit meinem Fahrrad zu meinem Teilzeitjob nach Meerbusch. Das ist auch immer schon eine ganz schöne Tour. Ich arbeite dort bis etwa 14h und mache zwischendurch mit meinen Kollegen Mittagspause. Dann fahre ich mit dem Fahrrad wieder nach Hause, gehe mit meinem Hund raus und setze mich an meinen Schreibtisch beziehungsweise stehe ich meistens an meinem Schreibtisch. Da arbeite ich dann für meine ganzen Social Media Jobs, die ich habe. Wenn ich irgendwann mal Feierabend habe, koche ich etwas, gehe nochmal mit dem Hund raus oder fahre Inliner – also nochmal irgendetwas mit Bewegung nach dem ganzen Tag. Nach dem Essen und dem Spazierengehen setze ich mich meistens nochmal ran und mache dann noch etwas für den Blog oder für den YouTube-Kanal. Zwischen 21:30 und 22:00 gehe ich ins Bett.

Wie kam es dazu, dass du Scout für Kulinarische Schnitzeljagd wurdest? Im Mai letzten Jahres haben wir ja den Blog veröffentlicht und im Juli waren wir bei einem vegan Entrepreneurs-Event in Düsseldorf. Foodhub NRW und dementsprechend Peter, war auch da. Er erzählte mir, dass er die Kulinarische Schnitzeljagd macht und fragte mich, ob wir da auch dran teilnehmen wollen würden. Und ich sagte, wenn es vegan wäre, dann natürlich schon. So kam es zu der Idee, die sich aber auch erstmal wieder im Sande verlaufen hat. Ende letzten Jahres sprach er mich schließlich an, wie es mit der veganen Schnitzeljagd aussähe und da dachte mir „ja klar, gerne“. Und schon ging es los mit der Planung.

Wie sah die Akquisephase für die vegane Schnitzeljagd aus? Ich fand es schon anstrengend. Erstmal muss man überhaupt Läden finden, die bei der Kulinarischen Schnitzeljagd mitmachen wollen und dann noch vegan, war nicht so einfach. Es gibt ja fast keine rein veganen Läden in Düsseldorf, eigentlich nur das Sattgrün. Die Leute davon zu überzeugen Werbung nur für die eine Sparte zu machen, war nicht einfach. Auch immer wieder hinterherzutelefonieren – ich habe da eigentlich den ganzen Januar mit verbracht.

Welche Läden machen bei der veganen Kulinarischen Schnitzeljagd mit? Komplett vegan ist nur Pure Note, ansonsten sind es eher Restaurants und Cafés, die sehr aufgeschlossen sind. Die gerne viel mehr in Richtung Veganismus machen würden. Das sieht man zum Beispiel bei der Eisschmiede, die machen vieles vegan und stellen das auch kommunikativ in den Vordergrund und sehen das auch als gute Möglichkeit, ihr veganes Sortiment noch mehr bewerben zu können. Aber es ist sehr gemischt. Die meisten Restaurants bieten auch vegane Speisen an, aber eben nicht nur.

Was ist – neben den ausschließlich veganen Köstlichkeiten – das Besondere an der veganen Tour? Was wird uns da erwarten? Ich glaube, dass man dadurch mal live miterlebt, dass es durchaus so viele vegane Optionen gibt, dass es den ganzen Tag füllt. Dass man an so vielen Stationen etwas Veganes bekommt, ist schon etwas Besonderes. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass da eine andere Altersstruktur mitmachen wird als bei den normalen Touren. Da werden bestimmt sehr viele jüngere Leute mitmachen.

Worauf freust du dich am Eventtag selbst am meisten? Ich freue mich am meisten auf das Ende, wenn alle zufrieden sind, weil sie den ganzen Tag über gemerkt haben werden, wie lecker das alles war und dass man das ruhig nochmal machen kann. Und auch dass die Restaurants merken, dass sie mit ihrem veganen Angebot viele Leute begeistern.

Interview: Jana Leckel

Fotos: Jenny Hallberg und Anna Maria Langer Fotografie.