Isabelle Tebrügge von Feinisa in Düsseldorf im Interview

Isabelle Tebrügge ist 24 Jahre alt und bereits eine waschechte Gründerin. Mitte Februar eröffnete die studierte Volkswirtin mit Feinisa in Düsseldorf Pempelfort ihren ersten eigenen Laden. Dass sie selbstständig werden würde, war ihr schon während des Bachelorstudiums bewusst. Parallel zur Bachelorarbeit tüftelte sie schließlich an einem konkreten Konzept, das sie nach Abschluss ihres Studiums in die Tat umsetzte. Eine wichtige Stütze war ihr in dieser Zeit die Gründerakademie – eine Onlinefortbildung, die Gründer jeden Alters und jeder Branche bei ihrer Gründung unterstützt und anleitet.

Ende März habe ich Isa per Telefon interviewt und unter anderem mit ihr darüber gesprochen, warum sie seit kurzem jeden Tag Kuchen backt und was ihr an dem Konzept der Kulinarischen Schnitzeljagd so gut gefällt.

Warum spielen biologische Produkte eine so große Rolle in deinem Leben?  Ich bin mit biologischen Produkten groß geworden. Meine Mutter sagt immer, dass das schon in meiner Muttermilch drin gewesen wäre. Später habe ich einfach selber für mich festgestellt, dass ich Produkte aus konventionellem Anbau nicht vertrage. Es fängt bei einer gespritzten Paprika oder einer Kiwi an bis hin zu irgendwelchen Zusatzstoffen in Fertigprodukten. Das waren meine persönlichen Gründe. Viele haben in den letzten Jahren zu mir gesagt: „Studium und Bio? Das kann man sich doch nicht leisten!“ Aber meiner Meinung nach kann man sich das natürlich leisten, wenn man gezielt einkaufen geht. Ich finde, gerade Obst, Gemüse, Milchprodukte und Brot – das sind die Produkte, bei denen man das einfach schmeckt. So viel zu Bio!

Wie sah deine Produkt-Akquisephase aus? Kann man sich das so vorstellen, dass du monatelang von Bauernladen zu Feinkostmanufaktur gereist bist? Wie hast du deine Produkte gefunden? Nach welchen Kriterien hast du da gesucht? In Münster habe ich eine Käserei besucht oder grundsätzlich ein paar kleinere Käsereien. Ich hatte irgendwann Produktkategorien definiert und wusste dann, dass es zum Beispiel Käse geben wird oder Wein, Feinkost und Powerfood. Und dann habe ich losgelegt und nach Produkten gesucht. Wo ich ganz viel Wert draufgelegt habe, war, dass es wirklich bio ist. Da mache ich weiterhin auch Kontrollen und bin da sehr kritisch bei.

Aber ganz elementar für die Planung des Sortiments waren Verkostungen. Ich habe fast jedes Produkt selber probiert und das war sehr entscheidend. Ich habe auch meinen Freunden und meiner Familie Probeprodukte gegeben und habe richtig viel Geld dafür ausgegeben, um die Produkte zu testen. Teilweise habe ich auch einfach als Privatperson bestellt. Mittlerweile ist es auch so, dass ich Produkte teste, die mir meine Kunden empfehlen. So findet das Ganze statt.

Bio war jahrzehntelang verpönt. In den letzten Jahren ist es zu einem regelrechten Trend avanciert. Hast du manchmal Sorge, dass dieser auch wieder vorübergehen könnte? Wenn ich ehrlich bin, nein. Ich denke, das Bewusstsein der Menschen muss einfach gerüttelt werden. Nicht nur in Bezug auf Billigmassenware, die Leute müssen grundsätzlich sensibilisiert werden. Ich glaube einfach, dass das eine langfristige Entwicklung der Bevölkerung ist, weniger zu essen und dafür von höherer Qualität und gesündere Kost. Deswegen gehe ich davon aus, dass dieser Trend nachhaltig ist und nicht nur einmalig. Man merkt, dass die Leute überzeugt davon sind. Meine Kunden kaufen sehr gezielt ein, die kaufen nicht in Massen.

Du hast Mitte Februar deinen Laden eröffnet: Verrate uns, wie bei dir im Moment ein normaler Tag aussieht. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Um 6:15 klingelt der Wecker, danach mache ich mich fertig, setze mich ins Auto und fahre los. Als Erstes hole ich die Backwaren ab, dann fahre ich zum Laden und hole meistens noch Ware aus dem Lager, weil man da tagsüber nicht so schnell hinkommt. Dann geht`s auch schon los mit dem Vorbereiten der Kaffeemaschine, dem Ausbreiten der Backwaren und dem Anrichten der Frischetheke. Teilweise bereite ich dann auch belegte Brötchen vor. Ein neues Produkt wird jetzt Müsli, das ich dann auch vorbereiten muss. Dann backe ich Kuchen, falls ich das nicht bereits am Vorabend schon gemacht habe. In der Regel passiert irgendetwas immer am Morgen, womit man vorher nicht gerechnet hat.

Offiziell eröffne ich um 11h, aber es passiert auch häufig, dass ein Kunde vorher kommt, eine Lieferung gebracht wird oder das Telefon klingelt. Es ist wirklich selten, dass alles glatt läuft. Aber genau solche Situationen machen es auch aus. Wenn es richtig stressig ist und der Laden richtig brummt, ist mir das fünf Mal lieber, als wenn nix passiert. Ich brauche den Stress, um auf Hochtouren zu kommen. Dann bin ich erst Isabelle, die Gas geben kann. Um 19h ist regulär Ladenschluss, aber meine Kunden wissen, dass ich auch länger da bin, daher kommen manche auch noch später. In der Regel bin ich nicht vor halb 9 zuhause. Dann esse ich noch was, mache gegebenenfalls noch Buchführung, die ich tagsüber nicht geschafft habe und die dringend ist und dann ab ins Bett. Am nächsten Morgen schellt dann wieder der Wecker – das ist im Moment mein Alltag.

Dass du Kuchen backst ist noch recht neu, oder? Ja, das ist recht neu. Meine Kunden haben irgendwie herausgefunden, dass ich ursprünglich ein Café eröffnen wollte und dann wurde ich gefragt, warum ich nicht einfach selbst backen wollen würde? Ich war mir dann erst nicht sicher, ob ich selber backen möchte, habe dann aber doch abgeklärt, ob ich das dürfte und dann war das irgendwie auch schon durch. Das kommt auf jeden Fall mega gut an. Ich backe Kuchen nach Omas Art. Ich habe in der Regel auch eher etwas ältere Kundschaft und die kommen dann hier an, trinken einen Kaffee oder einen Tee und essen ein Stück Kuchen.

Eben hatte ich auch eine Kundin, die wollte unbedingt, dass ich Bananenbrot backe und das habe ich gestern Abend für sie gemacht und eben hat sie es hier abgeholt. Das ist mega, ich hätte nie gedacht, dass sowas läuft. Das ist echt ganz stark und macht auch Spaß. Ich habe noch nie so viel gebacken wie im Moment. Ich habe schon immer gerne gebacken, aber ich bin auch recht perfektionistisch und möchte, dass das gut aussieht.

Wie schön, dass du so spontan auf die Bedürfnisse deiner Kunden eingehst und reagierst. Ja, das sagen auch die Kunden. Die sagen, dass sie gar keine Schnörkeleien auf den Kuchen wollen, sondern einen Kuchen, der schmeckt. Mir ist es wichtig darauf zu achten, dass nicht so viel Zucker drin ist und dass ich viele Produkte aus meinem Laden darin verarbeite. Ich backe zum Beispiel ganz viel mit Nüssen, wie heute in dem Bananenbrot.

Oder auch in dem anderen Kuchen heute, dem Pflaumen-Streuselkuchen, sind die Eier aus meinem Laden. Ebenso die Walnüsse und auf Anfrage kann man ja jetzt bei mir auch Zucker oder Mehl kaufen. Der Renner ist Käsekuchen. Ich habe den ein Mal gebacken und sobald die Leute den sehen, ist der auch schon weg. Und ich mache den ganz einfach mit einem Glas Joghurt, einem Glas Quark, mit ein paar Rosinen, Mürbeteig – fertig ist die Kiste. Genau das wollen die Kunden und das macht aber auch echt Spaß.

Warum ist Düsseldorf – und im speziellem Pempelfort – deiner Meinung nach der ideale Ort für dein Konzept? Ich war bei der Ladensuche in ganz vielen Stadtteilen: In Kaiserswerth, Benrath, Bilk, Carlstadt – eigentlich überall in Düsseldorf. Dabei wurde ganz schnell klar, dass der Laden nach Pempelfort oder Derendorf gehört. Die Gründe sind, dass es so kunterbunt ist. Es gibt hier viele verschiedene Altersstrukturen. Ob jung, ob alt, mit Kindern, ohne Kinder, Pärchen, Alleinstehende. Dann ist es recht alternativ, finde ich persönlich. Die Moltkestraße ist eine Szenestraße in einem Szeneviertel mit ganz vielen Restaurants.

Etwas Angst hatte ich damals vor der Konkurrenz auf der Rethelstraße und der Nordstraße, die ja auch nicht weit weg sind. Aber bisher habe ich das Gefühl, dass die Zoobrücke, die zwischen der Rethelstraße und mir ist, wirklich alles trennt. Ich bin auf dieser Seite der Brücke die einzige Einzelhändlerin, abgesehen von einem Bäcker und Kräuterladen. Ansonsten sind hier nur Restaurants. Und dann sind hier ganz viele Start-ups und Kreative: App-Entwickler, Yoga-Lehrer, Marketingagenturen oder Journalisten. Viele davon kommen in der Mittagspause zu mir, weil sie nicht ins Restaurant gehen wollen. Die holen sich dann lieber ein belegtes Brötchen bei mir oder einen Kaffee zum Mitnehmen. Deswegen sage ich: Pempelfort ist und bleibt mein Wunschstandort und diese Straße sowieso!

Was schätzt du an der kulinarischen- bzw. gastronomischen Szene in Düsseldorf? Das Kunterbunte. Du hast hier alles: Mexikaner, Italiener, Asiaten, Griechen, Kroaten – das ist es einfach, was für mich Düsseldorf ausmacht. Und aber auch die Qualität. Ich muss eigentlich nur bei mir auf die Straße gucken. Da gibt es einen Libanesen, aber auch deutsche Küche mit der Löffelbar oder Ab der Fisch. Hier gibt es sehr viel Vielfalt, aber auch auf einem hohen Niveau. Und dann gibt es aber auch etwas einfachere Küche oder sehr gesunde Küche, wie Lauras Deli oder Greentrees.

Was gefällt dir an dem Konzept der Kulinarischen Schnitzeljagd? Worauf freust du dich am meisten? Was ich mega gut finde – das liegt aber auch an meinem Hintergrund – ist, dass man mit dem Fahrrad verschiedene Läden abklappert. Ich komme ja ursprünglich aus dem Radsport, habe auch mal einen Blog und einen Fanclub geleitet und Fahrradfahren gehört einfach zu mir. Und alles baut irgendwie darauf auf, etwas mit dem Fahrrad zu machen. Was ich an der Kulinarischen Schnitzeljagd außerdem unheimlich schön finde, ist, dass kleine, meistens inhabergeführte Läden daran teilnehmen und dass den Teilnehmern richtig was geboten wird. An einem Tag klappern sie so viele verschiedene Läden ab, erleben Genussmomente.

Ich mag das Konzept. Man ist an der frischen Luft, man erlebt aber nicht nur die Läden, sondern wahrscheinlich auch die Stadt ganz anders, weil man durch die vorgeschlagene Route ein bisschen geführt wird. Und, für mich als Unternehmerin, ist das eine gute Möglichkeit, um mich auch Kunden außerhalb meines Viertels präsentieren zu können. Ich lebe im Moment überwiegend von den Pempelfortern, weil die einen unterstützen. Aber die Kulinarische Schnitzeljagd richtet sich ja an ganz Düsseldorf oder auch an Leute von außerhalb und für mich ist das ein wichtiger Punkt. Langfristig will ich auch online versenden und daher ist das eine gute Möglichkeit, auch außerhalb des eigenen Viertels bekannter zu werden.

Interview: Jana Leckel

Fotos: Nadine Heller-Menzel