Frank Rink von Juut Food in Bonn im Interview

Frank Rink ist ein waschechter Poppelsdorfer. Seit mehr als einem halben Jahrhundert lebt er in dem idyllischen Stadtteil der einstigen Hauptstadt. Zusammen mit seiner Frau Lenka Rink betreibt er gleich vier Gastronomiebetriebe plus einen Cateringservice und einen Foodtruck. Die beiden Tausendsassas nehmen, was das Schicksal ihnen vor die Füße wirft – und verwandeln es in etwas Großartiges. 

Mitte März habe ich Frank per Telefon interviewt und mit ihm über süße Belgische Fritten, den Zusammenhalt der Bonner Gastro-Szene und seine täglichen Herausforderungen gesprochen. Außerdem hat er verraten, was die Kulinarische Schnitzeljagd und das Gesindehaus gemeinsam haben.

Euer Laden heißt „Juut Food“ – das ist doch Kölsch? Spricht man das in Bonn etwa noch? Wir sprechen hier Bönnsch, das ist so ähnlich wie Kölsch. So kam dann „juut“ für „gut“ und das „Food“ ergab sich dann aus einer Bierlaune heraus in Ägypten. In der Urlaubsstimmung dachten wir, dass wir eigentlich eine Kombination aus dem Rheinischen und dem Englischen möchten – so hat sich das entwickelt.

Ihr stellt eure eigene Wurst her – hat einer von euch einen Bezug zum Metzgerberuf? Ich mache die Wurst mit einem guten Kumpel zusammen selber – heute Abend produzieren wir wieder Bärlauchwurst. Einen Bezug zu einer Metzgerei gibt es da nicht. Allerdings haben wir Kurse gemacht, wie man Wurst herstellt und haben uns auch in einer Metzgerei zwei Tage in der Fleischproduktion mit einem Meister aufgehalten. So haben wir das dann gelernt. Seitdem machen wir unsere Würste selber.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Fritten mit süßen Toppings zu kombinieren? Die Idee ist dadurch entstanden, dass die Lenka gerne Nachtisch isst und da haben wir uns überlegt, was wir mit den Produkten, die wir haben, an Nachtisch oder Süßspeisen machen könnten? Und dann sind wir in unsere Versuchsküche gegangen und haben herumprobiert – so ist das entstanden. Wenn wir neue Kreationen haben, geben wir diese einer Gruppe von Foodies zum Probieren. Das sind Leute, die mit Food im weitesten Sinne in ihrem Beruf nichts zu tun haben aber gerne essen und deren Expertise wir auch schätzen. Da hat sich eine Community von 6-8 Leuten entwickelt, die unterschiedlich unterwegs sind, auch gedanklich, und dann kommen da neue Sachen heraus. Man muss gucken, dass sich die eigenen Produkte auch entwickeln und man nicht zehn Jahre lang dieselbe Karte hat.

Auf eurer Speisekarte herrscht ein niederländischer Schwerpunkt. War das von Anfang an so geplant oder hat sich das im Laufe der Zeit entwickelt? Im Ursprung war es so, dass wir mit den Belgischen Fritten den Einschlag automatisch hatten. Diese Frittieranlage war das, was wir in den Container investiert haben. Es war uns sehr wichtig, eine gute Fritte – keine Pommes – herzustellen. Und dann ist es einfach aus der Situation heraus entstanden, dass die Leute uns gefragt haben: „Wenn ihr Belgische Fritten habt, habt ihr dann auch Frikandeln?“ Weil das niederländisch ist. Aber das was bei den Leuten im Kopf ist, sind eben diese Dinge. Die Trennung zwischen belgischen und niederländischen Fritten ist allerdings sehr gering. Es ist eine Belgische Fritte, weil sie aus Belgien kommt, aber die Belgier liefern die Frittieranlagen auch nach Holland aus. Es war auch ein riesiges Problem, die nach Deutschland zu bekommen, die wollten überhaupt nicht mit einem reden und nach Deutschland verkaufen. Das ist wirklich nicht einfach, so eine Frittieranlage hier in Deutschland an den Start zu kriegen. Das hätte ich nie gedacht. Und es ist verdammt teuer.

Gehörte die Anschaffung der Belgischen Frittieranlage dann zu den größten Herausforderungen, denen ihr bei der Gründung von Juut Food  gegenübertreten musstet? Ja, auf jeden Fall. Das eine Problem war, die Anlage überhaupt zu bekommen und als ich dann mit einem Vertriebler von diesem Hersteller in Kontakt stand und wir besprochen haben, wie das aussehen könnte, war das Problem, dass der Platz im Container eigentlich zu klein war. Das heißt, ich musste eine handgemachte, vom Standard abweichende Frittieranlage bauen lassen, um die Abstände zwischen den Arbeitsbereichen den deutschen Richtlinien anzupassen. Das war eine Herausforderung, das Ganze in so einen Seecontainer zu packen. Weil die Frittieranlagen, die die normalerweise ausliefern, sind 15 bis 20 cm tiefer. Dann hätte ich keinen Arbeitsbereich mehr gehabt, der abgenommen worden wäre. Das war sehr tricky. Aber der Junge war am Ende sehr hilfsbereit und jetzt steht das Ding da und es ist alles in Ordnung.

Juut Food ist bereits euer 4. gastronomischer Betrieb (nach dem Gesindehaus, dem Pöppsche Imbiss und Kugelfisch). Die Gastro ist eine harte Branche – was hat euch getrieben, noch einen Laden zu eröffnen? Wenn du so unterwegs bist wie die Lenka und ich, dann ist das klar, dass das Arbeit ist. Aber das ist eine Herausforderung, die wir einfach annehmen. Wir hatten die Möglichkeit, diesen Container zu kaufen, haben darüber nachgedacht, und dann ging das los. Das ist mit dem Gesindehaus genauso gewesen. Die Möglichkeit war da und dann denkt man drüber nach und sagt: „Ok, machste!“ Das ist nicht unbedingt gewollt, manche Dinge kommen einfach.

Konntet ihr denn bei der Gründung von Juut Food auch von euren Erfahrungen der anderen drei Gastronomien profitieren? Ja, extrem sogar. Das Erste war der Kugelfish in Poppelsdorf. Da sind wir extrem blauäugig rangegangen. Das hat uns auch blutige Nasen und Geld gekostet. Am Anfang glaubt man überhaupt nicht, auf was für Dinge man alles achten muss. Wenn man die Erfahrung nicht hat, du sie nicht irgendwoher bekommst, und du dir die Erfahrung nicht einkaufst, dann kannst du ganz schnell so große Fehler machen, dass der Laden nie laufen wird. Natürlich haben wir von unserer Erfahrung profitiert. Du lernst immer wieder Dinge dazu und schaust in andere Läden und guckst, wie haben die die Dinge gelöst? Alleine die Probleme, die in so einem Laden entstehen können, zu erkennen, versetzt dich ja erst in die Lage, das Problem zu lösen. Weil wenn das Problem schon da ist, ist es ja meistens zu spät und dann wird es richtig teuer. Es ist nicht nur die Erfahrung, in seine eigenen Läden zu gucken, das ist verbohrt und viel zu selbstverliebt. Du musst in die anderen Läden gucken und da die Fehler suchen, die die haben.

Du bezeichnest dich als „waschechten Poppelsdorfer“ – wie hat man sich so einen waschechten Poppelsdorfer vorzustellen? Uns zeichnet letztendlich das aus, was auch einen Rheinländer auszeichnet. Das ist ein frohes Gemüt, ein bisschen Richtung Karneval und „et is wie et is“. Man nimmt Sachen an, hofft, dass es gut geht. Ich bin tatsächlich 50 Meter vom Gesindehaus in Poppelsdorf geboren und aufgewachsen in dem ganzen Viertel. Das heißt, ich kenne viele von den älteren Leuten noch aus der Zeit, in der sie 30 waren und ich bin jetzt 55. Ich kenne Poppelsdorf noch, da war die ganze Meile noch nicht da, da war das noch Baustelle, das glaubt man nicht. Auch eine Verbundenheit zum Dorf zeichnet den Poppelsdorfer aus. Auch wenn wir in einer vermeintlichen Großstadt wohnen, ist das Dorf hier wirklich ein Dorf. Du kennst die Leute, viele sind mit mir zur Grundschule gegangen. Das spielt alles eine Rolle.

Frank und Lenka Rink

Bitte verrate uns, wie bei dir im Moment ein normaler Tag aussieht. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Erstmal muss ich dir sagen, dass ich noch eine Hausverwaltung habe mit einem Immobilienbüro und wir über 1000 Wohnungen betreuen. Das ist natürlich auch ein Teil meines Tagesablaufes. Nach dem Aufstehen bringe ich erstmal das Geld weg, mache einen Kontrollgang in zwei von den vier Läden und gucke, was da los ist, wie es da aussieht. Das kriegen die Mitarbeiter manchmal mit, manchmal nicht. Dann fahre ich ins Büro, manchmal habe ich dann einen Termin, das kann in einer Gastronomie sein oder eine Wohnungsübergabe oder ein Vermietungsgeschäft oder was da sonst so ansteht. Heute Nachmittag geht’s zum Beispiel zum Wursten. Irgendwann ist dann die Zeit vorbei, in der man sinnvoll was tun kann. Dann fahre ich nochmal bei unserem Lieferdienst vorbei oder gucke beim Gesindehaus oder Kugelfisch. Juut Food hat dann meistens schon zu. Irgendwann komme ich dann nach Hause, treffe meine Frau und dann geht’s ab in die Kiste.

Das klingt nach einem langen Tag! Aber wahrscheinlich bist du jemand, dem das guttut, so viele Baustellen zu haben, oder? Fakt ist: Ich weiß morgens zwar was ich mir vornehme, aber ich erreiche es eigentlich nie. Jeden Tag, ob das jetzt in der Hausverwaltung ist oder in den Gastronomien, passiert irgendwas, das meinen Plan durcheinander wirft. Dass ich mich nicht mehr um das kümmern kann, was gerade auf dem Tisch liegt, sondern ich irgendwo einen Brand löschen muss. Irgendwas verändert den Tag, das ist so.

Was schätzt du an der kulinarischen bzw. gastronomischen Szene in Bonn und wo gehst du essen, wenn du nicht in einem eurer Läden isst? Ich mag schon viele Läden, weil die Gastro-Szene in sich auch mit den Kollegen eine schöne Situation ist. Wir werden zwar als Konkurrenten angesehen, tatsächlich ist es aber so, dass jeder von uns dem anderen den Umsatz gönnt. Da bin ich von überzeugt. Die Jungs, die da auf der Meile unterwegs sind, verstehen, dass nicht jeder Gast unentwegt nur bei ihnen essen kann. Wenn die ganze Straße stark ist, dann funktionieren auch die einzelnen Läden. Wenn einer meiner Läden voll ist, dann schicke ich die Gäste bewusst zu meinen Kumpels. Wir helfen uns auch gegenseitig. Wenn mir irgendetwas ausgeht, ich irgendetwas brauche. Das ist wirklich eine Gemeinschaft. Das gefällt mir gut. Und dann hast du natürlich auch deine Spezis, mit denen du dich richtig gut verstehst und da gehst du dann auch gerne essen und wir klönen miteinander und regen uns über die Mitarbeiter auf oder was auch immer.

Du nimmst am 25.07. an der Kulinarischen Schnitzeljagd teil: Was gefällt dir an dem Konzept? Worauf freust du dich am meisten?  Ich fand den Namen erstmal lustig, weil wir ja auch eine schnitzellastige Karte im Gesindehaus haben. Ich bin mal gespannt, wie das so von den Leuten angenommen wird. Wie viele letztendlich da mitmachen und wie motiviert man die bekommt.

Interview: Jana Leckel

Fotos: Lenka Rink und