Diana Struck von Dolcinella in Essen im Interview

Diana Struck

In Düsseldorf ist das Dolcinella schon längst ein Insider-Tipp, wenn es um eine schmackhafte Mittagspause mit originellen Gerichten aus aller Welt in Düsseldorf-Derendorf geht. Oder aber um bei einem Cannelé oder einem Stück Lemon Cheesecake die Seele baumeln zu lassen.

Seit April 2018 hat das Dolcinella eine kleine, räumlich jedoch große Schwester in Essen-Werden bekommen. Der Fokus in Essen ist ein etwas anderer, doch der Geist ist derselbe geblieben.

Da das Düsseldorfer Dolcinella bereits ein alter Kulinarischer Schnitzeljagd Hase ist, macht in diesem Jahr der Essener Laden mit.

Im Interview verriet uns Inhaberin Diana Struck, wie es überhaupt zum Dolcinella gekommen ist, warum dies ihr erster fester Job nach ihrem Studium ist und inwiefern sich die beiden Läden voneinander unterscheiden.

Bitte erzähl mir ein bisschen über dich: Wie sieht dein beruflicher Werdegang aus? Wir haben im April 2010 mit Dolcinella in Düsseldorf angefangen. Fenja und ich sind schon sehr lange befreundet, fast aus Schulzeiten. Wir kommen beide aus Essen und haben immer gerne gebacken und gekocht und haben dann zufällig das Ladenlokal gefunden. Beziehungsweise hat das Ladenlokal eher uns gefunden. Ich habe sehr lange studiert und wusste nie so richtig, was ich machen will und dann, als sich das wie ein Puzzle zusammengefügt hat, war das der perfekte Weg. Bevor wir den Laden hatten, waren wir auf ein paar kleinen Weihnachtsmärkten in Essen-Werden und da wurden wir immer wieder gefragt, wo unser Laden ist und haben da dann immer herzlich gelacht. Und dann kam dieses süße kleine Ladenlokal in Düsseldorf zu uns und das passte dann einfach. Das war so klein, dass wir uns das zugetraut haben und trotzdem so groß, dass wir dachten, dass wir da irgendwie von Leben können. Ursprünglich dachten wir, dass wir nur Kaffee und Kuchen machen. Es war aber vorher schon ein Mittagstisch-Lokal und das haben wir dann mitgemacht. So hat sich dann unsere Ausrichtung ergeben, dass wir in Düsseldorf hauptsächlich den Mittagstisch machen und aber natürlich auch tolle Kuchen anbieten. Und dann brauchten wir eine richtige Küche. Bis dato hatten wir in Essen nur eine Küche zur Untermiete, wo wir gebacken haben und das wurde dann immer schwieriger so viel zu backen wie wir wollten und zu den Terminen reinzukommen, die wir brauchten. Irgendwann wurde dann dieses wunderschöne Lokal frei, wo wir jetzt auch drin sind. Ursprünglich wollten wir nur die Küche und wir dachten, dass wir die Gastronomie so ein bisschen nebenbei machen könnten. Das hat sich dann natürlich wieder ganz anders entwickelt (lacht).  Sodass das jetzt zwei relativ eigenständige aber doch zusammenhängende Dolcinellas geworden sind.

Habe ich das richtig verstanden, dass du da direkt nach dem Studium reingerutscht bist oder hast du vorher noch in anderen Bereichen gearbeitet? Ich habe meine Studienjobs immer sehr lange weiter gemacht und bin sehr viel gereist. Daher kommt auch unsere Küchenausprägung. Meine Mutter ist Inderin, wir haben schon immer sehr viele indische Gerichte auf der Karte gehabt, aber auch thailändisch. Fenja hat auch mal in Spanien gelebt, daher kamen dann auch Gerichte aus ihrer Spanien-Zeit mit dazu. Die englische Küche war auch immer Teil des Dolcinellas, weil ich auch immer noch oft in England bin. Deswegen ist das Dolcinella so, wie es heute ist.

Ich spreche kein Italienisch und habe bloß im Online-Wörterbuch nachgeschlagen: Habe ich euren Namen richtig verstanden, dass er in etwa so viel bedeutet wie „Süßes für sie?“ Es ist eigentlich ein Fantasiename, der von dolci, also vom Süßen kommt. Fenja hat sich den damals so ausgedacht, weil er schön klang. Einfach was Süßes, Niedliches, weil der Schwerpunkt schon auf dem Süßen lag. Er ist zwar ans Italienische angelehnt, aber es ist kein existierendes italienisches Wort.

Du hast ja schon gesagt, dass du Halb-Inderin bist: Beeinflusst das eure Speisekarte stärker als die anderen Einflüsse aus anderen Ländern, die in eure Küche einfließen? Ja, auf jeden Fall. Gerade die Goa-Küche, aber auch immer dieses Gemischte mit dem Deutschen. Wir kombinieren da sehr viel. Es ist nicht die typische indische Landesküche, sondern immer eher so wie meine Mutter gekocht hat. Teilweise zu Zeiten, in denen man hier gar nicht die richtigen Zutaten bekommen hat. Das hat sich ja zum Glück alles geändert. Aber es ist immer so ein bisschen abgewandelt eigentlich.

Was hat es mit den Kochbüchern bei euch auf sich? Sind sie zum Stöbern vor Ort gedacht oder können sie bei euch auch gekauft werden? Wir hatten die – zumindest in Essen – auch zum Verkauf, weil wir da eine Kooperation mit einer Werdener Buchhandlung haben. Das ist jetzt aber etwas eingeschlafen, weil das nicht so gut angenommen wurde. Man kann auf jeden Fall stöbern. Die Bücher, die im Düsseldorfer Dolcinella sind, sind meine, weil ich einen Kochbuchfimmel habe – so wie andere Frauen einen Schuhtick haben (lacht). Ich arbeite da auch viel mit, ich lasse mich da sehr stark inspirieren und probiere immer viel Neues aus. Verkaufen tu ich die aber nicht.

Entwickelst du oder ihr eure Dolcinella-Rezepte selbst? Oder stammen die aus den besagten Kochbüchern oder bringt ihr die von Reisen mit? Der größte Teil sind Rezepte von mir, auch noch von Reisen, wobei ich in den letzten 10 Jahren, in denen ich das Dolcinella habe, gar nicht mehr so zum Reisen komme. Aber ich habe da einen großen Fundus. Abgewandelte Rezepte aus den Kochbüchern kommen da aber auch manchmal mit rein.

Wenn du Kochbücher so liebst: Träumst du manchmal davon, selbst ein Kochbuch rauszubringen? Das würde ich total gerne machen. Wir sind nur bisher noch nicht dazu gekommen. Es kommt nur immer irgendetwas dazwischen. Jetzt war es Corona, da hatte man andere Sorgen und wir müssen uns jetzt wieder mehr um das Kerngeschäft kümmern, aber irgendwann machen wir das.

Inwiefern unterscheidet sich das Dolcinella in Essen von dem Düsseldorfer?  Das Dolcinella in Essen unterscheidet sich von dem in Düsseldorf allein schon durch die Größe. Das in Essen ist mehr als doppelt so groß als das in Düsseldorf. Wir haben es in Essen auch ein bisschen anders eingerichtet. Dort gibt es etwas mehr gemütliche Sitzmöglichkeiten. In Düsseldorf haben wir Hocker und einen großen Tisch, das richtet sich eher an die Büroleute, die eine kurze Mittagspause bei uns verbringen. In Essen ist es teilweise ein Ausflugslokal, weil da einfach durch die Nähe zum Baldeneysee sehr viele Leute vorbei kommen. Außerdem haben wir in Essen den großen Biergarten. Das ist schon anders, aber ich glaube wir haben das ganz gut hinbekommen, den Geist des Düsseldorfer Dolcinellas nach Essen zu übertragen. Mein Freund ist Innenarchitekt, der hat uns das ganze Konzept so übertragen, dass wir auch viel selbst machen konnten. Das war schon alles sehr ausgetüftelt. So ist es letztendlich etwas anders, aber auch ein Dolcinella geworden.

Gibt es noch weitere Unterschiede, zum Beispiel auf der Speisekarte? Dadurch, dass wir da viel größer sind, werden wir dort mit Lebensmitteln beliefert. Das selber zum Gemüsehändler gehen fällt da dann weg. In Essen fangen wir viel früher an, weil wir dort das Frühstück vorbereiten, das es ja in Düsseldorf zum Beispiel gar nicht gibt. Die herzhafteren Gerichte des Frühstückes kann man den ganzen Tag bestellen. Der Fokus in Essen liegt also nicht wie in Düsseldorf auf dem Mittagstisch, sondern auf dem Frühstück und den herzhaften Sachen, aber eben nur bis 6h. Der Kuchen wird auch sehr gut angenommen und wir machen ja auch noch eine Tea Time und bieten Picknick-Körbe an. Das ist auch immer eine Mischung aus herzhaften und süßen Sachen. Da machen wir ja auch alles selber für. Es ist also schon 50:50 was herzhaft und süß anbelangt.

Ich wollte dich sowieso noch fragen, wie ihr auf die Picknick-Körbe gekommen seid und wie die angenommen werden? Ich finde die Idee total toll! Wir haben das von Anfang an angeboten und das erste Jahr wurde das irgendwie gar nicht angenommen, obwohl wir davon immer erzählt haben und es auch immer in Zeitschriften erwähnt wurde. Danach war das auf einmal ein Thema in den ganzen Frauenzeitschriften und dann war das total angesagt. Da sind dann plötzlich alle zu uns gekommen. Wir sind darauf gekommen, weil eine Freundin von uns, die uns auch erzählt hatte, als das Düsseldorfer Ladenlokal frei wurde, in Südafrika war. Bei den ganzen Weingütern dort kann man wohl auch einen Picknick-Korb mieten und den Inhalt kaufen und sich dann auf dem Weingut ein Plätzchen suchen und dort picknicken. Sie fand das ganz toll und hat uns auch Fotos gezeigt, wie liebevoll das gemacht war. Das fanden wir so toll, dass wir das auch direkt machen wollten. Das geht natürlich immer nur auf Voranmeldung.

Fenja Fürer und Diana Struck

Wie sieht bei dir ein „ganz normaler Tag vom Aufstehen bis zum Schlafengehen“ aus? Das habe ich mich bei Freunden auch schon oft gefragt. Wenn man Leute in seinem Freundeskreis hat, bei denen man so grob weiß, was die machen, aber eigentlich weiß man nicht, wie genau ihr Tag aussieht – das finde ich schon spannend. Mein Tag sieht so aus, dass ich morgens früh aufstehe und erstmal zu einem türkischen Gemüsehändler gehe. Der hat auch regionales Fleisch, italienisches Brot und ganz tolles Gemüse, da gehe ich jeden Tag frisch einkaufen. Den Plan für die Woche mache ich immer schon am Wochenende vorher, ich kaufe nicht spontan ein. Aber schon immer sehr darauf bedacht, was jetzt gerade Saison hat. Dann bringe ich das in den Laden und dann kommt meine Köchin. Wir starten um 10h und bereiten alles vor. Wir schneiden den Salat klein und kochen frisch unser Mittagessen. Vorher ist es eher ein gemeinsames Kochen wie mit Freunden. Wir sind natürlich schon gut eingespielt, aber es ist auch gemütlich. Wir arbeiten zwar schnell, aber wir können auch ein bisschen quatschen und uns neue Sachen ausdenken. Von 12h bis 14:30h ist dann der Mittagstisch, da ist es ziemlich voll und wuselig und man hat in dem Moment wenig Zeit für andere Sachen. Danach räumen wir alles wieder weg. In Zeiten, in denen wir bis 18h aufhaben, ist der Nachmittag dann für Kaffee und Kuchen da. Ich bleibe dann – in der Regel zusammen mit einer Aushilfe – da und da kommen dann eher entspanntere Kaffee- und Kuchen Gäste. Um 18h schließen wir, danach gibt es natürlich noch viel aufzuräumen und bis ich dann Zuhause bin, ist es 19h oder 20h. Weil ich dann meistens keine Lust habe, auch noch Zuhause zu kochen – außer am Wochenende – gehen wir noch irgendwo etwas essen und gucken, was die anderen so machen.

Ihr habt ja bei der Düsseldorfer Schnitzeljagd schon ein paar Mal mitgemacht: Was gefällt euch an dem Konzept offenbar so gut, dass ihr dieses Jahr in Essen dabei seid? Ich finde toll, dass wirklich viele neue Leute kommen, die einen ganz anderen Fokus auf die Gastronomie haben. Sonst sind es eher Leute, die mittags Hunger haben und was zum Essen suchen. Bei der Kulinarischen Schnitzeljagd sind es hingegen Schnitzeljäger, die sich vor allem für kleinere Läden interessieren – das finde ich sehr schön!

Worauf freust du dich an dem Eventtag am meisten? Auf die ganzen neuen und freudig überraschten Gesichter. Das ist immer schön, wenn Leute herkommen und sehen, wie schön das bei uns ist, die das vielleicht sonst nicht entdeckt hätten. Die mit großen Augen durch das Dolcinella in Düsseldorf gelaufen sind und das werden sie im Dolcinella in Essen bestimmt auch wieder machen und dann sagen „Ach, das ist aber schön bei euch!“

Interview: Jana Leckel

Fotos: Friedhelm Kuche